Mandy Schöpa – Seidenmalerei oder Wenn der Bedeutungsspielraum von Worten am Ende ist. Über die Malerin An der Ostseeküste geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete sie von 1994 bis 2006 im Ostseebad Ahrenshoop – auch als eine der ältesten Künstlerkolonien bekannt – auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die Umgebung und ihre (Zusammen)arbeit mit zahlreichen Künstlern in den dortigen Kunstgalerien haben sie sehr geprägt. Es gab für sie keine schönere und spannendere Aufgabe, als Ausstellungen und Veranstaltungen zu organisieren, mit interessanten Menschen aller Kunstgattungen zusammenzukommen, für sie da zu sein, von ihnen zu lernen und so außerdem in regelmäßigen Abständen immer eine neue Arbeitsatmosphäre um sich herum zu haben. Es ist daher wohl nur wenig verwunderlich, dass der Funke des künstlerisch Tätigwerdens auch auf sie als Privatperson übergesprungen ist. Was vor zehn Jahren als interessantes Hobby begann, dann acht Jahre fast verschüttet war und ruhte, hat sie nun für sich wiederentdeckt und weiterentwickelt. Heute bedeutet ihr die Malerei auf Seide weit mehr, als nur angenehmen Zeitvertreib. Jetzt möchte sie auch andere Menschen daran teilhaben lassen, indem sie ihr „stilles Kämmerlein“ verlässt, und ihre Arbeiten über diese Seite an einem neuen Wirkungsort (Ostseebad Nienhagen) der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Inspiration Auf die Frage, wo Künstler ihre Anregungen für Bilder her nehmen, antworten die meisten sicher mit Begriffen wie: Natur, Umwelt, auffallendes und extravagantes Design von (Gebrauchs) -gegenständen etc. Kreative Menschen betrachten die Welt intensiver und haben dadurch eine breitere Wahrnehmung. Für Mandy Schöpas Bildfindung spielt außer den vorgenannten Dingen die Musik eine wichtige Rolle. Textzeilen aus Songs der verschiedensten musikalischen Genres oder die Stimmung einer Komposition selbst, inspirieren sie bei ihren „Bildkompositionen“. So wie die Musik, die sie hört, die jeweiligen augenblicklichen inneren Befindlichkeiten widerspiegelt, kann man in ihren Bildern bei genauem Hinsehen über sie lesen, wie in einem offenen Buch. Musik und Malerei sind zu einer Einheit; und damit zu einem Teil von ihr geworden. Trotzdem steht es jedem frei, seine eigene Interpretation der Bilder zu finden. Ja - sie lädt den Betrachter sogar dazu ein. So wie es in der Musik „Ohrwürmer“ gibt, die einem nicht aus dem Kopf gehen, hinterlassen ihre Arbeiten einen bleibenden Eindruck. Material und TechnikSeidenfaser ist eine Naturfaser mit unübertroffenen Eigenschaften. Das Fließverhalten der Farbe auf diesem Material entwickelt eine Eigendynamik, die wunderbare Effekte zur Folge hat. Mandy Schöpa verwendet für ihre Bilder Bügelfixierfarben / Pigmentfarben. Dies sind größere, unlösliche Farbsubstanzen, deren feinste Pigmente sich um die Seidenfaser herum legen und durch ein Bindemittel (leichte Kunstharzdispersion) mit dieser verbunden werden. Sie arbeitet mit der Guttatechnik – eine Form der Konturentechnik. Benzinlösliche Gutta verwendet man, um Begrenzungslinien auf dem Stoff zu ziehen. Normalerweise fließt die Seidenmalfarbe beim Auftragen auf einem nicht behandelten Seidenstoff nach außen und verteilt sich ohne geordneten Verlauf. Die mit Gutta hergestellten Begrenzungslinien ermöglichen ein klares Abgrenzen verschiedener Farbflächen und lassen sie aneinander stoßen. Innerhalb der einzelnen Flächen macht sie sich die Eigenschaften der Seide zunutze, um Schattierungen zu erzeugen. Zum Teil mischt sie die Farben erst auf dem Stoff. Das Resultat ist unter anderem abhängig von Dichte und Gewicht des Stoffes. Im Laufe der Zeit hat sie eigene Methoden entwickelt, um die Guttatechnik für sich zu perfektionieren. Form, Farbe und FantasieWenn der Betrachter es will, kann er immer wieder neue Assoziationen in den Bildern finden. Weder seiner, noch der Fantasie der Malerin sind dort Einschränkungen gesetzt. Geometrische Formen und abstrakte Gebilde mit intensiven klaren Farben treten in Wechselbeziehung zur sparsam verwendeten figurativen Wiedergabe und ihrem Hintergrund. Die Grenzen zwischen Realität und Traum – Gefühl und Verstand verschwimmen… Vorbilder und HintergründeAn erster Stelle steht hier die Künstlerin Karin Schöpa. Selbst namhaft und auf dem Gebiet der Textilkunst zu Hause (Applikationen, Collagen in verschiedensten Techniken) – war sie es, die Mandy Schöpa an das Material und die Maltechniken heranführte und sie darin unterrichtete. „Ich werde ihr immer dankbar dafür sein, dass sie mir den Weg in eine ganz besondere Welt des Ausdrucks und der Selbstfindung zu Füßen gelegt hat. Wir haben damals sicher beide nicht erahnen können, welche Bedeutung die Malerei in meinem Leben erlangen würde.“ Aus der anfänglich passiven einfachen Faszination beim Beobachten des Verhaltens von Farbe und Stoff ist eine aktive und unverzichtbare eigene Sprache geworden, wenn der Bedeutungsspielraum von Worten am Ende ist. Es liegt nahe, dass sich eine Schülerin bewusst und auch unbewusst an den gleichen Vorbildern der Lehrerin orientiert. „Da ich selbst eher selten gegenständlich arbeite, interessieren mich besonders Werke so bedeutender Maler wie Kandinski, Miró, Klee, Hundertwasser und Picasso. Ich bewundere deren Ausdrucksstärke trotz – oder gerade wegen – ihrer teilweise auf ein Minimum reduzierten, bzw. stark abstrahierten Formen.“ |